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Ein halbes Megawatt Notstrom

„Der Cosinus Phi springt schon wieder“, „Dann gib noch mal 30 Kilowatt mehr“, „Schalt mal den Schütz ein“. Solche für Außenstehenden merkwürdig klingenden Anweisungen hallten am Samstagmorgen über den alten Gronauer Kirmesplatz. Der Grund: 22 THW-Kräfte der Fachgruppen Elektroversorgung aus Düsseldorf, Gronau und Oberhausen übten gemeinsam.

Motoren laufen, Lämpchen blinken, Zeiger von Messinstrumenten schlagen abrupt aus, Sirenen ertönen. Es handelt sich dabei um die Kernstücke der Fachgruppe Elektroversorgung: die Netzersatzanlagen. Die Ehrenamtlichen trainierten mit drei großen Stromerzeugern den Synchronbetrieb. Notwendig wird diese Betriebsart immer dann, wenn Stromverbraucher betrieben werden sollen, die mehr Strom verbrauchen als ein Aggregat alleine erzeugen kann. Alle drei Stromerzeuger wurden elektrisch verbunden, die Steuerung sorgte für eine Anpassung der Parameter wie Frequenz, Spannung und Phasenlage. Zusammen erzeugen die drei Netzersatzanlagen ein halbes Megawatt Strom und bilden ein eigenes, kleines Insel-Stromnetz, das zur Versorgung von 400 Haushalten reicht.

Um 12.30 Uhr piepten alle Funkmelder: „Einsatz“ am Pumpwerk auf dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände. Innerhalb von 20 Minuten waren Pavillons, Kabel und Gerätschaften verlastet und mit Blaulicht ging es zum Regenrückhaltebecken an der Dinkel. Dort betreiben die Stadtwerke Gronau eine Pumpstation, die Regen- und Abwasser aus Nordost-Gronau über mehrere Meter auf das Niveau des Abwasserwerkes hebt. Die installierten Schneckenpumpen drehen sich und fördern zusammen bis zu 16 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. An normalen Tagen, wie am Samstag, läuft jedoch nur ein Bruchteil der Pumpen.

Das Übungsszenario, erarbeitet von Gronauer Gruppenführer Michael Dierselhuis und den Stadtwerken, sah einen Stromausfall vor. Das THW wurde gerufen, um mit den drei Netzersatzanlagen die Pumpstation zu versorgen. Das Gelernte des Vormittags konnte gleich in der Praxis angewandt werden.  Gemeinsam versorgten die Aggregate zunächst zwei kleine Schneckenpumpen, danach eine der größten Pumpen. Alleine diese hat eine Stromaufnahme von 160.000 Watt - allerdings nicht am Samstag, da dort nur sehr wenig Wasser zu bewegen war. Trotzdem bemerkten die Maschinisten gleich, dass die Pumpen beim Einschalten zum Anlaufen hohe Einschaltströme brauchten - ein kräftiges Brummen im Aggregat, hektisches Ausschlagen der Messgeräte - doch dann lief alles. Genau diesen Einsatz wird es für das THW wahrscheinlich nie geben, denn die Stadtwerke Gronau halten für genau diesen Zweck ein eigenes Aggregat mit 500 kVA vor.

Am Sonntag besichtigten die THWler das Umspannwerk und die Netzleitwarte der Stadtwerke. Über die armdicken Kabel mit 110.000 Volt staunten die Einsatzkräfte genauso wie über die moderne Überwachung der Gronauer Netze - jede Verteilerstation und jeder Gasschieber kann per Computer überwacht werden.

Der Gronauer Ortsbeauftragte Lutz Schabbing dankte den Beteiligten und besonders den Mitarbeitern der Stadtwerke für ihre Unterstützung beim Üben und Besichtigen. Der Planer und Organisator der Übung, Michael Dierselhuis, sprach von einem „lehrreichen und nassen Wochenende mit vielen überraschenden Erkenntnissen“. Stadtwerke-Geschäftsführer Dr.-Ing. Wilhelm Drepper betonte, „dass der persönliche Draht zwischen Stadtwerken und THW auch in der Praxis sehr gut funktioniert.“

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