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Geschichte des THW-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen

Der THW-Landesverband Nordhein-Westfalen wurde 1952 gegründet. Derzeit engagieren sich rund 18.000 Frauen und Männer ehrenamtlich in 127 Ortsverbänden.

Gründung und Aufbau

Im Sommer 1950 erteilte der Bundeminister des Innern, Dr. Gustav Heinemann, dem Ingenieur Otto Lummitzsch den Auftrag zum Aufbau des Technischen Hilfswerks als Organisation freiwilliger Helfer zur technischen Behebung von Notstandssituationen. Im Jahr 1953 folgt der Errichtungserlass.

Bereits im Vorjahr entstehen in allen Bundesländern und in West-Berlin THW-Landesverbände. So auch in Nordrhein-Westfalen. Die ersten Ortsverbände werden im gleichen Jahr in Aachen, Bielefeld, Bochum, Bonn, Duisburg, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Köln, Oberhausen, Minden, Münster, Paderborn und Wanne-Eickel gegründet. Der erste Landesbeauftragte für Nordrhein-Westfalen wird Dr.Gibsone.

Die Ortsverbände werden mit den ersten Bereitschafts- (früherer Gerätekraftwagen) und Entstörungswagen für Hochspannungsleitungen sowie für Gas- und Wasserfernleitungen ausgestattet. Einige Ortsverbände erhielten Sondergeräte wie Dieselaggregate (Bonn und Dortmund), Dieselrammen (Duisburg und Köln) sowie Motorsägen (Düsseldorf, Duisburg, Köln).

Das Land Nordrhein-Westfalen förderte den Aufbau des THW, indem es die Landesbehörden mehrfach aufrief, technische Beamte und Angestellte für eine Tätigkeit im THW zur Verfügung zu stellen. Viele der Ortsbeauftragten des THW waren Mitarbeiter von Kommunen oder Landesbehörden. Die Ortsverbände wurden durch hauptamtliche Sachverwalter, den heutigen Geschäftsführern, unterstützt.

Zum ersten größeren Unglück werden Einheiten aus dem Landesverbands Nordrhein-Westfalen 1954 gerufen. Helfer unterstützen die Rettungs- und Bergungsarbeiten nach dem Unglück an der Zahnradbahn am Drachenfels.

Das Technische Hilfswerk im Zivilschutz

Mit dem Luftschutzhilfsdienst (LSHD) schuf die Bundesrepublik 1957 eine für den Verteidigungsfall ausgerichtete Institution.  Die Landräte und Oberbürgermeister hatten hierfür Einheiten aufzustellen. Für die freiwilligen Helfer des LSHD bestand die Möglichkeit der Freistellung vom Wehrdienst, wenn sie sich gegenüber Kreis und Stadt für zehn Jahre verpflichten. Nach wenigen Jahren stellt sich heraus, dass die Soll-Stärke von 1,5% der Bevölkerung nicht erreicht wird. Dies hatte zur Folge, dass fast ausschließlich Feuerwehren, Sanitätsorganisationen und THW den LSHD-Personalbestand darstellten.

Die Ortsverbände gliederten sich in zwei Teile: Ein khakifarbener Teil stellte einen modern ausgestatteten Bergungszug des LSHD, während der blaue THW-Teil mit ärmlich wirkender Ausstattung technische Fachgruppen darstellte. Zudem waren die LSHD-Helfer durch Verpflegungs- und Tagegeld finanziell besser gestellt als die THW-Helfer.

Das Technische Hilfswerk im erweiterten Katstrophenschutz

Im Jahr 1968 brachte das Gesetz über die Erweiterung des Katastrophenschutzes wesentliche Verbesserungen. Im Gegensatz zum LSHD verpflichtete sich nunmehr die Organisation zur Mitarbeit im Zivilschutz und bekam Fachdienste zugeordnet. Das Gesetz sah für das THW die Übernahme des Bergungsdiensts und des neuen Instandsetzungsdienstes vor. Bis auf zehn Züge des Bergungsdienstes übernahm das THW in NRW alle Einheiten und Teile des ABC-, Fernmelde- und Versorgungsdienstes.

Mit dem KatS-Ergänzungsgesetz und dem THW-Gesetz von 1990 stellte die Bundesrepublik die Weichen für eine Neuordnung des Katastrophenschutzes und für eine Erneuerung des THW. Unter Beteiligung des Ehrenamts arbeiteten zahlreiche Arbeitskreise auf Landes- und Bundesebene an der Modernisierung des THW. Sie entwickelten das Konzept „THW 2000“.

Mit der deutschen Einheit wurde das THW in den neuen Bundesländern aufgebaut. Da die Landesregierung NRW dem Land Brandenburg beim verwaltungstechnischen Aufbau zur Seite stand, übertrug der THW-Direktor dem Landesverband Nordrhein-Westfalen die Aufgabe, die Gründung von Ortsverbänden in Brandenburg vorzubereiten und zu vollziehen. Bereits 1992 übertrug der THW-Direktor dem Landesbeauftragten für Berlin den weiteren Aufbau des THW in Brandenburg.

Neukonzept

Ende 1994 bestätigt Bundesinnenminister Manfred Kanter das Konzept „THW 2000“, das die veränderte sicherheitspolitische Situation und die veränderten Anforderungen an das THW berücksichtigt. Bis 1994 betrieb das THW in NRW 312 Bergungs-, 58 Instandsetzungszüge, 192 Versorgungseinheit sowie weitere Einheiten.

Mit der Umstellung auf das Neukonzept wurden 1995 alle bisher vom THW getragenen Einheiten des Katastrophenschutzes aufgelöst und in Technische Züge mit Fachgruppen umgewandelt. Seit diesem Jahr leitet Dr. Hans-Ingo Schliwienski die Geschicke des Landesverbandes NRW.

Aus formellen Gründen mussten alle Einheitsführer abberufen und für die neuen 192 Technischen Züge neue Führungskräfte berufen werden. Die Zahl der bis dahin 26 unterschiedliche  großen Geschäftsstellen wurde auf zwölf reduziert. Die Zentralwerkstätten in Bochum, Euskirchen, Geldern, Gelsenkirchen, Lette, Münster, Olpe, Paderborn und Röttgen sowie die Katastrophenschutzschulen des Landes wurden geschlossen. Für die Fahrzeuginstandsetzung wurden Vertragswerkstätten der freien Wirtschaft gefunden, die Ausbildung wurde an die Bundesschule verlagert.

Beim Oder-Hochwasser 1997 bewährte sich das Komponentenmodell mit Technischen Zügen und Fachgruppen erstmals in einem großen Einsatz; Einheiten aus verschiedenen Ortsverbänden, unter anderem aus NRW, bekämpften gemeinsam die Fluten. THW-Kräfte aus Nordrhein-Westfalen halfen den Menschen ebenfalls bei den Hochwassern 2002 und 2013.

Innerhalb des Bundeslandes packten Helferinnen und Helfer bei vielen Anlässen mit an. THWler unterstützen die Rettungs- und Bergungsarbeiten nach dem Zugunglück in Bahnhof von Brühl (2000). Beim Weltjugendtag in Köln (2005) leistete das THW technisch-logistische Hilfe. Der Stromausfall im Münsterland (2005) forderte vor allem die Fähigkeiten im Bereich der Elektroversorgung; zahlreiche Einheiten aus NRW und dem gesamten Bundesgebiet halfen, die Menschen zu versorgen.

Mit Dortmund, Gelsenkirchen und Köln lagen gleich drei der zwölf Spielorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Nordrhein-Westfalen; das THW war in die Sicherheitskonzepte der drei Spielorte integriert und unterstützte die Anforderer. Nach Orkan Kyrill (2007) räumten rund 2.700 THW-Kräfte aus 111 Ortsverbänden auf. 15 Ortsverbände führten nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 Räum- und Bergungsarbeiten durch, sicherten Archivgut und stützten einsturzgefährdete Gebäudeteile ab. Im Rahmen des Projekts „Still Leben Ruhrschnellweg“ baute das THW rund 20.000 Biertischgarnituren auf der A40 auf.

Mit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 fällt der Wehrersatzdienst ersatzlos weg. Aus diesem Grund und vor dem Hintergrund des demografischen Wandels müssen alle Ortsverbände seither um neue Helferinnen und Helfer werben. Den Rahmen hierfür bildet die Kampagne „Raus aus dem Alltag. Rein ins THW!“ 

Rund 4.000 THW-Kräfte aus 103 Ortsverbänden halfen im Juni 2014, die von Sturm „Ela“ verursachten Schäden zu beseitigen. Einen Monat später waren 35 Ortsverbände nach Starkregen im Münsterland bei Aufräum- und Pumparbeiten im Münsterland gefordert.

Zur Unterstützung bei der Unterbringung von Flüchtlingen waren 2014 und 2015 fast alle der 127 nordrhein-westfälischen Ortsverbände im Einsatz. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer halfen bei Unterbringung von Flüchtlingen: Die Amtshilfe reichte von der Fachberatung für Stäbe über Transportfahren, den Aufbau von Zelten bis hin zum Einrichten von Notunterkünften. Das THW führte Infrastrukturmaßnahmen (z.B. Elektroinstallation, Verlegen von Wasserleitungen) durch oder stellte Technik, wie beispielweise Stromerzeuger und Beleuchtung, zeitlich begrenzt zur Verfügung. Vorübergehend übernahm das THW auch die Verpflegung von Flüchtlingen und Einsatzkräften.  

Im Folgejahr sorgten im Frühsommer Unwetter für rund 900 Einsätze des THW - schwerpunktmäßig in den Kreisen Kleve und Wesel sowie im Bonner Bereich. Mehr als 1.700 THW-Helferinnen und Helfer führten Räum- und Pumparbeiten durch, sicherten Deich und Dämme. Fachgruppen Trinkwasserversorgung, unter anderem aus dem Orsverband Lemgo bereiteten im bayerischen Simbach über Wochen Wasser für die Bevölkerung auf. In Wachtberg bei Bonn zerstörte ein Unwetter mehrere Brücken. Mehr als 250 THWler stellten innerhalb von fünf Tagen fünf Übergänge wieder her.

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